Was zur Laufgröße!?

Juni 16 — 2020

Ein unvoreingenommener Blick auf die verschiedenen Laufradgrößen und warum der Favorit nicht immer gewinnt.

 

Eine beliebte Mountainbike-Unart ist es, sich vorschnell für eine Laufradgröße zu entscheiden und diese stur für die einzig Richtige zu halten.

Man kann Santa Cruz vieles vorwerfen, aber eine Laufradgröße kategorisch zu bevorzugen, gehört sicher nicht dazu. Wir sind Fans von allen Laufradgrößen, weshalb wir Bikes in fast allen Federwegen mit verschiedenen Laufrädern anbieten. Es gibt einige vermeintliche Überschneidungen in unser Flotte. Zum Beispiel das Bronson mit 27,5" oder das Hightower mit 29" Laufrädern -  beide Bikes haben nahezu identische Federwege (150mm bzw.146mm).

Der Grund dafür ist, dass wir nicht an eine universelle, absolutistische Lösung für das perfekte Bike glauben. Wir glauben nicht, dass es einen besten Federweg gibt, eine ideale Geometrie oder die eine perfekte Laufadgröße. Stattdessen bauen wir viele verschiedene Bikes, sodass unterschiedliche Biker verschieden perfekten Begleiter für ihre Touren finden. Wir unterscheiden uns alle ein wenig, von den körperlichen Vorraussetzungen bis hin zum bevorzugten Fahrstil. Daher bauen wir Bikes mit unterschiedlichen Charakteren, die zu den verschiedenen Fahrertypen passen.

Wie passt die Radgröße in diese mythische Entscheidungsmatrix? Nun, jede Laufradgröße hat ihre Vorzüge und ihren eigenen Charakter. Und je nachdem, wie Du fährst und was Du von Deinem Bike erwartest, wird es wahrscheinlich eine Laufradgröße geben, die am besten zu Dir passt.

27,5" - Die spaß-orientierte Laufradgröße

27,5" ist die vielseitigste Laufradgröße. Sie eignet sich für alle Arten des Bikens, außer vielleicht für den XC-Rennsport, wo allerhöchste Effizienz erwartet wird. Sie eignet sich auch für Fahrer fast jeder Körpergröße. Natürlicherweise bietet sie aber vor allem kleineren Fahrern etwas mehr Raum und Bewegungsfreiheit über dem Hinterrad - vor allem in steilem Gelände oder bei viel Federweg.

27,5" gibt es schon lange, hat aber erst um 2013 wirklich Fuß gefasst, als es 26-Zoll als "Mountainbike-Standard" verdrängte. Bis dahin musste man sich zwischen kleinen (26") und großen Laufrädern (29 ") entschieden. 27,5" wurde als die goldene Mitte angesehen, weil es den Überrollwiderstand verringert (was die 29"-Laufräder perfektionieren), aber die agilen und leichten Fahreigenschaften der kleineren Laufräder behält.

Die Fahreigenschaften eignen sich am besten für Fahrer die Wert auf Agilität legen und auf dem Trail verspielte Linien wählen, für Fahrer, die gerne in der Luft sind und die nach dem reaktionsschnellsten und flinksten Bike suchen.

Wenn Du also auf der Suche nach der Laufradgröße bist, die auf engen Trails leicht zu händeln ist, wenn Du gerne abhebst und verspielt fährst oder wenn Du eher klein bist, sollte 27,5" genau Deine Laufradgröße sein.

29" - schnell und geschmeidig

29" ist die große Laufadgröße, mit vielen großen Vorteilen und Eigenschaften, die Dein Herz erobern oder brechen.

Als die großen Räder vorgestellt wurden, glaubten nur die wenigsten Biker, dass 29" am Mountainbike ernsthaft sinnvoll wäre. Das lag allerdings vor allem daran, dass die Bikes noch nicht ausgereift waren. Mehr Flex (durch längere Kettenstreben, Gabeln oder Speichen) und ein unhandliches Gefühl auf engen Trails waren dadurch bedingt, dass Geometrien, Rahmen und Fahrwerke der damaligen Zeit nicht für 29er optimiert waren. Selbst unser Gründer Rob Roskopp sagte, dass wir nie ein 29"-Bike bauen würden. 2009 brachten wir dann aber das Tallboy heraus, und viele Leute mussten ihre Meinung revidieren.

29"-Bikes werden überraschend wendig, wenn sie mit der richtigen Geometrie und dem richtigen Fahrwerk kombiniert werden. Es wird schnell klar, dass größere Laufräder Monstertruck-mäßig leicht über dicken Brocken rollen. Durch die Änderung des Gabelvorlaufs, die Absenkung des Tretlagers und andere Geometrieanpassungen, zeigen die großen Laufräder neben der Souveränität und Geschwindigkeit, auch auf engen Trails ihre Stärken.

Der geringere Rollwiderstand und die größere Aufstandsfläche der 29"-Räder schaffen Vertrauen und helfen dabei, schnellstmöglich vorwärts zu kommen. Für Biker, die ihren Speed maximieren wollen, Podiumsplätze erobern oder einfach gerne draufhalten, ist das 29"-Laufrad die offensichtliche Wahl. Aber auch für relativ unerfahrene Fahrer, die sich mehr Kontrolle wünschen, wenn das Gelände unberechenbar wird, ist 29" eine gute Option, da es stabiler fährt und somit Vertrauen bringt.

Mixed wheels - das beste aus beiden Welten

Eine dritte Variante, und eine relativ neue Option, ist der Laufrad-Mix (auch als "Mullet" bekannt). Hierbei wird ein 29"-Vorderrad und ein 27,5"-Hinterrad komniniert. Das führende 29"-Rad schafft eine große Aufstandsfläche, die viel Traktion erzeugt und das Überrollverhalten verbessert. Während das Hinterrad mit kleinerem Durchmesser mehr Bewegungsfreiheit bietet (nicht unerheblich für Fahrer mit kürzeren Gliedmaßen) und ein agileres Handling ermöglicht. Das Ergebnis ist ein Bikes, das sich noch immer wie ein 29er anfühlt, aber leichter und effizienter im Trail zu bewegen ist.

Eine Sache, die in der Radgrößen-Debatte häufig übersehen wird, ist die Achshöhe. Sowohl die Höhe der Radachse als auch der Tretlagerachse. 29"-Räder können sich in einem Rahmen mit großen Tretlager-Absenkung sehr stabil anfühlen, weil sich der Fahrer "im Rad integriert" fühlt. Bei gemischten Laufrädern heißt es jedoch, dass die reduzierte Tretlagerabsenkung (Tretlager unter Hinterachse) am Hinterrad dem Fahrer ermöglicht, leichter über das Hinterrad zu steuern und das Vorderrad besser zu entlasten, was das schnelle Überwinden von Hindernissen (z.B. Anheben über Wurzeln oder Wheelie fahren) erleichtert.

Unsere Downhill-Rennfahrer im Syndicate-Team haben mit dem Laufrad-Mix experimentiert und festgestellt, dass es Vorteile bringen kann. Loris Vergier erreicht damit das Verhältnis zwischen Traktion und Wendigkeit, nach dem er immer gesucht hat. Und das kleine Hinterrad bringt ihm auf dem langhubifen V10 die nötige Bewegungsfreiheit in steilem Gelände. Greg Minnaar hält jedoch an den größeren Laufrädern fest, weil er absolute Geschwindigkeit will und sich durch die 29"-Räder nicht behindert fühlt. Dies zeigt, wie verschieden der Geschmack und die Prioritäten bei der Wahl der Laufradgröße sein können.

Ein Hinweis zu gemischten Laufrädern:  Wir haben festgestellt, dass es in den meisten Fällen nicht gut funktioniert, einfach ein Laufrad in einen Rahmen zu stecken, der für eine andere Laufradgröße ausgelegt ist. Wie bereits gesagt, der Raddurchmesser ist nur eine Variable von vielen, und es ist von entscheidender Bedeutung, wie die Radgröße in die Geometrie integriert wird. Nicht nur im Bezug auf die Reifenfreiheit, sondern auch auf das dynamische Verhalten. Ein kleinere Änderung der Geometrie kann große Auswirkungen auf das Handling des Bikes haben. Wenn man also einfach ein kleineres (oder größeres) Rad in seinen Rahmen steckt, wird sich die Geometrie stark verändern, und das beeinflusst den Charakter des Bikes.

Die Antwort, die Du in der Laufradfrage suchst ...

RESERVE-Laufräder bieten wir in verschiedenen Laufradgrößen und Spezifikationen an. Finde Infos zu allen Optionen auf unserer RESERVE-Seite.

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